Warum das Unbekannte uns gleichzeitig anzieht und verunsichert
Alles, was wir nicht kennen, weckt zwei mögliche Reaktionen in uns: Neugier – oder Angst. Welche dieser beiden dominieren, hängt eng mit unseren frühen Bindungserfahrungen zusammen. Schon in den ersten Lebensjahren wird geprägt, ob wir so angenommen werden, wie wir sind – oder ob wir uns anpassen müssen, um im wahrsten Sinne des Wortes sicher zu sein – zunächst in der physischen und psychischen Fürsorge unserer Mutter und Eltern, später auch in allen anderen bedeutenden Beziehungen.
Wie frühe Mangelerfahrungen unser Ich formen
Viele Menschen kennen – bewusst oder unbewusst – Sätze oder Botschaften wie:
„Ich hab dich lieb, wenn du brav bist.“
„Sei still, dann ist alles gut.
Solche Erfahrungen führen dazu, dass wir unser Verhalten anpassen, um die Bindung zu wichtigen Bezugspersonen – in der Regel Mama und Papa – nicht zu gefährden. Diese Anpassungen sind psychologisch gesehen Verformungen: Sie sichern zwar unser Überleben, schmälern jedoch unsere innere Freiheit.
Da nahezu jede Bindung auch Mangelerfahrungen enthält, werden Unsicherheit und Angst zu stillen Begleitern – besonders in zwischenmenschlichen Beziehungen. Selbst positiv gelebte Neugier kann durch diese Prägungen begrenzt werden.
Vom „Erfolgsrezept“ der Vergangenheit zur automatischen Reaktion
Was wir damals gelernt haben – wie wir sein müssen, um akzeptiert zu werden – wird tief im Gehirn verankert.
Dieses Muster wird immer dann aktiviert, wenn heute ähnliche Empfindungen – Gefühlserinnerungen – auftauchen: etwa wenn Neugier von Unsicherheit begleitet wird oder wenn neue Situationen unser inneres Sicherheitsgefühl herausfordern, regelrecht Stress erzeugen.
Das Verhalten wird dann – häufig unbewusst – von alten Mangelerfahrungen gesteuert. Wir reagieren automatisch, ohne zu merken, dass die ursprüngliche Situation längst vorbei und damit Vergangenheit ist.
Wie alte Muster unser Arbeitsleben prägen
Diese unbewussten Schutzprogramme bleiben nicht im Privaten. Sie wirken auch im beruflichen Alltag:
- Wir vermeiden Konflikte.
- Wir reagieren mit Abwehr oder Widerstand
- Wir wollen alles richtig machen.
- Wir übernehmen zu viel – oder zu wenig – Verantwortung.
- Wir passen uns an, statt uns auszudrücken.
- Wir fürchten Fehler, Sichtbarkeit oder Ablehnung.
Wer bereit ist, tiefer zu schauen, erkennt: Hinter jedem Verhalten liegt ein System aus Gedanken und Gefühlen, das unser gesamtes Weltbild formt – und auch unsere Wirklichkeit im Job.
Und damit gibt es 8.000.000.000 dieser Weltbilder, die nur bedingt zueinander passen …
So beeinflussen alte Bindungsmuster unsere Kommunikation, unsere Führung und unsere Zusammenarbeit.
LOVE: Ein neuer Bezugspunkt für Vertrauen und Entwicklung
Genau hier setzen wir an.
LOVE nimmt prozessual die individuellen Prägungen ernst – aber es entlastet den Einzelnen, indem es den Fokus auf etwas Größeres richtet: das Wesen des Unternehmens.
Dieses Unternehmenswesen dient als übergeordneter, integrativer Bezugspunkt, als eine Art „Befreier“ aus den individuellen Verstrickungen, die Menschen in Organisationen mit- und einbringen. Dadurch entsteht ein Raum, in dem Entwicklung nicht von Angst, sondern von Ausrichtung getragen wird.
Positionierung, Vision, daraus erwachsende Strategien, Mitarbeitergespräche und Talententwicklung basieren im oder nach dem LOVE-Prozess nicht auf den persönlichen Unsicherheiten der Beteiligten, sondern auf der inneren Logik des Unternehmens.
Wenn Vertrauen entsteht, verändert sich alles
Marktgegebenheiten und äußere Faktoren bleiben wichtig – aber sie verlieren ihre Bedrohlichkeit.
Denn sobald Vertrauen wächst, verschieben sich Perspektiven:
- Vertrauen in das eigene Handeln
- Vertrauen in das Unternehmen
- Vertrauen der handelnden Personen in sich selbst
- Vertrauen in die gemeinsame Vision
So entsteht ein neues Selbstbewusstsein: ruhig, klar und ausgerichtet.
Das ist die neue Lernphase: Vertrauen – in sich selbst, in das Unternehmen und in das gemeinsame Werden.

