
Im Englischen gibt es den wunderbaren Ausdruck „to fall in love“. Wieder einmal ein schönes Beispiel für die verborgene, innere Wahrheit von Sprache: das Fallenlassen, Anvertrauen, sich in einen Raum hinein begeben in tiefer Hingabe.
Der Begriff bezieht sich im Deutschen auf den Inhalt „sich verlieben“, aber er ist sehr geeignet, sich auf einer tieferen Ebene mit den existenziellen Themen der Zuwendung zu beschäftigen, die uns von der Persönlichkeit, dem geprägten ICH zu unserem Naturell, dem SELBST, führen. Im Selbst sind wir gleichzeitig offen, ungeschützt, tief vertrauend und sicher – selbstsicher eben. Selbstsicherheit als Ergebnis des Erlebens von Liebe – Selbstliebe, die nichts mit Egoismus zu tun hat.
Mit dieser Betrachtung beginnt ein sehr tiefgreifender und existenzieller Blick auf das Wesen der Liebe — besonders im Kontrast zur konditionierten „Liebe“, wie sie in einer von Prägung, Mangel und Schutzmechanismen geformten Welt oft erlebt und gelebt wird.
„Wir entstehen in der Liebe“
Der Gedanke, „Die Liebe entsteht nicht in uns, wir entstehen in der Liebe“, deutet darauf hin, dass Liebe keine persönliche Errungenschaft oder psychologischer Zustand ist. Die Liebe ist ein grundlegendes Seinsfeld, aus dem wir erst in unserer ganzen Fülle als Menschen hervorgehen, indem wir uns diesem Feld anvertrauen. Liebe durchdringt alles, strömt in uns ein — sie ist der Ursprung, der Raum, aus dem wir anschließend als heile Wesen wieder in unsere Realität zurückkehren und unsere Beziehungen gestalten können. Sie ist eine zutiefst schenkende Energie, wenn wir bereit sind, uns mit ihr zu verbinden.
Prägung als Filter der Liebe
Die frühe Kindheitserfahrung prägt, wie wir Liebe und Beziehung lernen. Wenn Liebe in unserer Entwicklung an Bedingungen geknüpft war — etwa: Die Mama hat dich (nur) lieb, wenn du brav bist — entsteht in uns ein Bild von „Liebe“, das an Leistung, Angst, Kontrolle und Anpassung gebunden ist. Es ist aber keine Liebe.
Das Ergebnis?.
- Wir suchen später unbewusst in der Anpassung nach dem Vertrauten, nicht nach dem Wahren.
- Wir halten Bedürftigkeit, Anhaftung oder emotionale Dramatik für Liebe.
- Wir reagieren, statt uns wirklich hinzugeben.
- Wir folgen einem geprägten „Liebes“programm.
So entsteht ein Gefühl, das sich wie Liebe anfühlt, aber in Wahrheit die Kompensation tiefsitzender, psychisch verankerter Mangelerfahrungen ist, die in Körpergefühlen münden. Das bedeutet, dass wir nicht uns selbst leben, sondern eine verformte, an Erfahrungen angepasste Version von uns, das Ich,
„To fall in love“ – das Fallen als Hingabe
In diesem Sinne ist „to fall in love“ nicht einfach eine romantische Regung, sondern eine reale Bewegung hin zu der allumfassenden Kraft des Lebens:
- Es ist ein Erinnern an das, was wir in Wahrheit sind – mit uns selbst und allem verbunden – und darin sicher und geborgen.
- Ein sich Einlassen auf das, was jenseits von Angst und Kontrolle liegt.
- Ein-sich-Öffnen für das Verletzliche, das Echte.
Die Rolle des Vertrauens
Wer durch Prägung verinnerlicht hat, sich schützen zu müssen, hat es schwer, sich vertrauensvoll fallen zu lassen. Das Nervensystem bleibt immer in Alarmbereitschaft (Autonomes Nervensystem/Sympathikus) vor dem nächsten vermeintlichen Angriff. Bedingungslose Liebe wird daher als Gefahr wahrgenommen, weil sie Kontrolle entzieht. Doch genau in dieser Entblößung liegt der Zugang zum wahren Selbst. Dem Selbst, aus dem Selbstvertrauen hervorgeht.
Der Weg zurück zur bedingungslosen Liebe
Das Ziel ist nicht, „mehr zu lieben“, sondern alles loszulassen, was verhindert, dass wir in die Liebe hineinfallen, sie in uns aufnehmen und dann in unserem Leben zur Entfaltung bringen:
In diesem Loslassen öffnet sich auch in uns ein Raum, in dem Liebe nicht mehr etwas ist, das man bekommt oder gibt, sondern etwas, das man ist.
Die Quintessenz? Liebe vergeht nicht, ganz im Gegensatz zu der oftmaligen Begründung für eine Trennung in einer engen Beziehung. Man hat sich entschieden, aus diesem Raum herauszugehen. Das wäre die aufrichtige Antwort. Die Liebe hingegen ist allgegenwärtig, bietet jederzeit die Gelegenheit, sich in sie hineinfallen zu lassen..
Das Unternehmen von morgen entsteht aus der Liebe
Das, was wir auf der persönlichen Ebene versuchen zu veranschaulichen, ist auch die Kraft, die sich Unternehmen eröffnet, die das Unternehmenswesen als ihre höchste Instanz finden und annehmen. Die Liebe, die im Wesen verankert ist, verändert das geprägte Unternehmensbild, die Kommunikation (Werbung und Ansprache kommen aus dem Wissen um das Geprägte und nutzen damit absichtsvoll die Möglichkeit der Manipulation) und die Beziehung zu Mitarbeitern, Gesellschaft und dem großen Ganzen allen Seins und begegnet der Ursache der meisten Krisen unserer Zeit – der Unverbundenheit.




